Auf dem E5 über die Alpen. Teil 5

Ein ehrlicher Bericht von Höhen und Tiefen neigt sich langsam
dem Ende zu.

Die letzten 3 Etappen stehen nun an und bereits die letzte Etappe auf dem eigentlichen E5. Ab Vernagt werden wir nämlich auf den Meraner Höhenweg umsatteln, um nach Meran zu gelangen. Es macht sich mittlerweile dann doch schon etwas Wehmut breit. Man gewöhnt sich eben auch an die Strapazen und die viele Natur. Aber gut, wir sind hier ja nicht zum Jammern oder Träumen, sondern wir haben ein Ziel vor Augen!
Und das ist nun mal Meran!

Etappe 8 – Vent – Vernagt
(19,9 km – 2404 mH – ca. 6 Std.)

Wir starten heute wieder realtiv früh, damit wir den großen Gruppen etwas aus dem Weg gehen können. Diese werden zum Großteil noch einen Zwischenhalt auf der Martin-Busch-Hütte einlegen. Auch hat uns unsere Gastgeberin beim Frühstück vorgewarnt, dass der Weg über den Similaun sehr überlaufen sein soll. Ihr Alternativroute nehmen wir dann jedoch lieber nicht, um unseren Zeitplan nicht unnötig in Gefahr zu bringen. So starten wir schließlich mit einer kleineren Wandergruppe und versuchen, uns durch ein höheres Tempo abzusetzen und marschieren vorne weg. Hoffentlich wird sich das später nicht noch rächen!

Es beginnt ein langer, aber relativ einfacher Anstieg bis zu Martin-Busch-Hütte auf einer Schotterstraße. Auf diesem Teilstück verstärkt sich der Eindruck einer schroffen und felsigen Landschaft ähnlich dem Himalaya. Der Weg schlängelt sich inmitten von Bergkämmen an Schäferhütten aus Stein und kleinen Flüssen und Bächen vorbei, bis wir schließlich an der Martin-Busch-Hütte vorbeikommen. Hier enden die meisten Etappen der Bergschulen, ehe diese dann weiter in Richtung Italien ziehen. Wir hoffen so, einigen Wandergruppen aus dem Weg zu gehen. Ein Schild macht uns darauf aufmerksam, dass mit eben diesem die Zone für Handyempfang endet. Dies sei also die letzte Chance etwa einen Notruf abzusenden.

Wir machen eine kurze Trinkpause und ziehen dann weiter. Die Etappe soll uns am Ende immerhin 8 Stunden kosten, und so wollen wir keine Zeit verlieren und vor allem den abermals dunklen Wolken aus dem Weg gehen.

Nach ein paar hundert Metern ist die Abzweigung zur Fundstelle des Ötzi schließlich da. Wir können uns nun entscheiden, ob wir den Umweg und zusätzliche Strapazen in Kauf nehmen oder ob wir auf unserer geplanten Route bleiben und den Kurs auf die Similaunhütte halten. Von vielen haben wir schon gehört, dass es dort eh nur einen Steinhaufen als symbolische Fundstelle des Namensgebers des Ötztals geben soll. So entscheiden wir uns dagegen und gehen links vom Wegweiser weiter in Richtung Similaun.

Das zweite Etappenziel können wir bereits am Horizont sehen. Inmitten von dunklen Wolken. Ist das ein gutes Zeichen? Wir geben wieder etwas Gas und werden kurz danach von einem etwa 60-Jährigen überrant. Meinen absoluten Respekt, mein Herr!
Bei uns beginnen so langsam die Beine an zu streiken, also beschließe ich, meine Trinkblase mit einer Magnesiumtablette zu befeuern. So habe ich auch noch etwas Geschmack dabei. Kurz vor der Similaunhütte überqueren wir dann zwei magische Grenzen. Zum einen sind wir jetzt offiziell in Italien angekommen! Aber was für uns noch viel wertvoller ist: Wir überschreiten zum ersten Mal die Grenze zu 3000 Metern. So hoch waren wir beide noch nie. Zu Fuß schon dreimal nicht!

An der Similaunhütte angekommen, blicken wir wieder auf einen majestätischen Gletscher. Wir sehen, wie sich eine Seilschaft ihren Weg über den Gletscher bahnt. Was das wohl für ein Gefühl ist?
Wir treten in die Hütte ein und treffen wieder bekannte Gesichter. Wir beschließen aber, uns nicht dazuzusetzen, da diese zur Kategorie „Auf-den-Sack-Geher“ gehören.

Nach einem kurzen Snack machen wir uns dann schon wieder auf den Weg. Dunkle Wolken ziehen auf und wir wollen doch gerne trockenen Fußes ankommen. Auf dem Weg ins Tal kommen wir an einer wartenden Familie vorbei. Wenig später sehen wir, dass auch diese von einem Helikopter der Bergwacht abgeholt wird. Wieder wird uns bewusst, dass diese Tour eben kein Sonntagsspaziergang ist. Am Horizont beginnt es nun zu donnern. Wir versuchen, so sehr es unsere Knie mitmachen, unser Tempo zu erhöhen.

Diesmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden. Die letzten etwa 2 km wandern wir durch strömenden Regen. Wir holen schnell unsere Regenüberzüge aus dem Rucksack und versuchen so schnell es geht Vernagt zu erreichen.

Zuletzt passieren wir eine Kuhweide, und plötzlich beginnt eine große Kuh auf Jenny loszugehen. Sie beginnt an ihrem Arm zu schlecken und sie zu einem Abgrund zu drängen. Ich würde die Stimmung der Kuh jetzt nicht als aggressiv beschreiben, aber dennoch ist es bedrohlich wenn scheinbar grundlos eine Kuh von ein paar hundert Kilo auf einen zukommt. Als Jenny schließlich versucht, sich aus dem Staub zu machen, entreißt die Kuh ihr den Regenschutz und beginnt ihn zu fressen. Ein Entreißen war mir leider nicht mehr möglich, da die Kuh sich nun auch in sichere Entfernung begibt. Was für ein Schrecken zum Schluss der Etappe! Ich hoffe, dir geht es gut und der Regenschutz ist dir nicht sehr auf den Magen geschlagen!

In Vernagt angekommen sind wir völlig fertig! Wir checken in unserem Hotel ein und lassen uns erst einmal auf unser Bett fallen! Morgen geht es dann mit dem Bus nach Katarinaberg und schließlich auf die letzten zwei Etappen auf dem Meraner Höhenweg.

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