Auf dem E5 über die Alpen. Teil 4

Ein ehrlicher Bericht von Höhen und Tiefen geht weiter.

Es ist Halbzeit! Die Hälfte der Strecke haben wir bereits hinter uns. Heute soll es mit dem Bus etwa eine halbe Stunde durch das Pitztal bis nach Mittelberg gehen. Von dort aus starten wir den Anstieg zur Braunschweiger Hütte. Es wird den Großteil nur steil bergauf gehen. Auf der Braunschweiger Hütte wartet dann wieder ein Mehrbettzimmer auf uns. Immerhin dieses Mal nicht mit über 30 anderen Menschen zusammen, aber loben wir die Hütte mal nicht schon vor der Bettruhe!

Etappe 6 – Mittelberg – Braunschweiger Hütte
(6,06 km – 1559 mH – ca. 3 Std.)

Wir starten in aller Frühe nach einem kurzen Frühstück (ohne Haare im Essen!) mit einem kleinen Fußmarsch zur Bushaltestelle in Zams. Die Bushaltestelle ist direkt gegenüber von einer Baustelle eines neuen Hotels, die uns ein wenig vor der morgendlichen Portion „Ich-habe-euch-gesagt-ihr-sollt-euch-eincremen-Sonne“. Die Bushaltestelle besteht allerdings nur aus einem sehr schmalen Fußweg und einem schlecht erkennbaren Haltestellen-Schild. Ob uns der Busfahrer überhaupt so mitnehmen kann? Er kann! Wir treten nun eine schöne Busfahrt durch das Pitztal an, um nach Mittelberg zu gelangen.

In Mittelberg angekommen, beschließen wir zunächst die Materialseilbahn der Braunschweiger Hütte aufzusuchen. Diese ist schon bald von der Ferne sichtbar und kaum zu verfehlen. Heute gönnen wir uns diesen Service einfach mal. Für etwa 5 Euro kann man hier seinen Rucksack einfach in die Gondel der Seilbahn legen und sobald diese voll ist, fährt sie mit dem Gepäck hoch zu Hütte. Das ist wirklich sehr praktisch! Es empfiehlt sich jedoch für diesen Fall einen kleinen, faltbaren Reiserucksack mitzuführen. Dieser lässt sich ähnlich wie die Regenjacken früher in ein kleines Bündel zusammenknüllen und ist super leicht.

Ohne die schweren Rucksäcke fliegen wir förmlich den Berg hinauf. Ich stelle für mich fest, dass bergauf wesentlich angenehmer zu wandern ist als bergab. Sobald man sein Tempo gefunden hat, kommt man stetig voran und macht einfach Meter.

Wir beginnen die Etappe nach der Materialseilbahn gerade auf den ersten Metern, da werden wir von der Seite in Ostdeutsch-Klängen angesprochen. Das Gesicht kennen wir von den anderen Etappen und merken, dass das zweite Gesicht dazu fehlt.
Misstrauen macht sich in uns breit. Der wird sich uns doch nicht unterjubeln wollen?!? Wir versuchen, den Smalltalk so kurz wie möglich und so höflich wie nötig zu halten. Sein Kollege habe sich erkältet, und so muss er heute allein Wandern. Ein klarer Hinweis an uns, dass er auf keinen Fall alleine wandern möchte! Wir ziehen unser Tempo an. Er beginnt zu verstehen und lässt uns ziehen. Glück gehabt!
Zahlreiche Passagen, die durch Stahlseile gesichert sind, begleiten uns heute sowie die ein oder andere Bergschule. Uns dämmert, dass es heute auch wieder recht voll sein wird auf der Hütte. Gut, dass wir alles vor Antritt der Tour reserviert haben!

Es ist ein majestätischer Anblick! Hinter einer Ecke auf den letzten Metern türmt sich am Horizont der Mittelbergferner auf. Auf dem gesamten Weg bis hier her haben Schilder am Wegesrand die ursprünglichen Grenzen des Gletschers gezeigt und informierten über das Verschwinden der kalten Riesen. Die Braunschweiger Hütte ist umgeben vom Mittelbergferner, und so können wir ihn sogar direkt von unserem Zimmer aus sehen, wie wir später noch feststellen werden. Es ist sehr skurril diesen wundervollen Eisberg aus nächster Nähe zu betrachten, bevor er in ein paar Jahren sicherlich auch nicht mehr existiert. Es machen sich demütige Gedanken breit über den Klimawandel und die damit verbundene globale Erwärmung. Bei diesem Anblick scheint es schon zu spät, noch irgendetwas zu ändern.

Oben an der Hütte angekommen, entnehmen wir der Materialseilbahn hinter der Hütte unsere Rucksäcke und beziehen unser Zimmer. Diesmal können wir leider nicht auf den Luxus eines Doppelzimmers zurückgreifen. Erinnerungen an die erste Hüttennacht auf der Kemptner Hütte werden wach. Die Zimmer sind hier jedoch wesentlich kleiner und so wird uns zumindest keine 30 Mann starke Truppe in den Schlaf furzen.
Der kleine Wehrmutstropfen in Form einer Gruppe Kinder gesellt sich trotzdem zu uns. Die Eltern sind natürlich im Zimmer nebenan, und so haben die Kids freies Spiel. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Kinderhasser. Ich mag Kinder, aber wenn die um 10 Uhr zur Bettruhe im Bett liegen und ruhig schlafen, fresse ich einen Besen! Als Sahnehäubchen ist eines der Kinder auch noch krank. Wehe, ich stecke mich bei dir an, mein Freund!

Die Braunschweiger Hütte ist sehr schön! Auch von innen! Hier mischt sich moderne Einrichtung mit rustikaler Hüttenromantik.
Nach Bezug des Zimmers machen wir uns auf den Weg in die Gaststube. Erst mal ein Holunderwasser! Dabei stopfen wir uns einen Kaiserschmarrn rein und schreiben Ansichtskarten an die Lieben zu Hause. Es macht sich schon ein gewisser Stolz breit, dass wir es schon bis hier her geschafft haben! So sitzen wir hier, schreiben diese Karten und blicken direkt aus dem Fenster auf den Gletscher.
Wenig später, nach ein paar Runden Mau Mau, essen wir noch deftig zu Abend und machen uns dann auf in unser Bett. Vielleicht ist es eine gute Taktik, schon zu schlafen, bevor die Kinder zu uns stoßen. Ein wenig später stellt sich das als Niete heraus. Ich versuche es nochmal mit Ohropax und stelle mir einfach vor, tief und fest zu schlafen.

Etappe 7 – Braunschweiger Hütte – Vent
(16,6 km – 1140 mH – ca. 4 Std.)

Die Nacht war mal wieder kurz, aber dieser Morgen steht unter dem Motto: „Gletscher am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen!“. Regelrecht majestätisch sehen die Gletscherzungen im morgendlichen Nebel und Sonnenlicht aus! Man kann einfach nicht genug davon kriegen!

Um einem gepfefferten Preis von 16 Euro für das Frühstücksbuffet zu entgehen, entschließen wir uns, das Frühstück ausfallen zu lassen und nehmen uns für je 2 Euro jeder ein Doppelbrot mit Käse mit. Das Buffet soll zwar gut sein, aber das ist uns dann nun wirklich zu teuer. Wir frühstücken morgens ohnehin nicht sonderlich viel. Lieber sind wir so noch etwas einsamer auf dem Weg zum nächsten Gipfel.

Ein steiler Weg schlängelt sich mit einigen Stahlseilpassagen den Berg weiter hoch. Mir wird langsam etwas schummrig. Vielleicht sollte ich mich mal dem Doppelbrot widmen! Oben angekommen entschließen wir uns den
Abstieg zum Busbahnhof gegen eine Seilbahnfahrt mit der Gletscherbahn einzutauschen. Ja, ich weiß, das ist jetzt ziemlich schwach von uns, aber natürlich steht hier die Gesundheit von Jennys Knie im Vordergrund! Die Gletscherbahn fährt uns also zur Talstation von wo aus uns der Bus durch den Tunnel bringt. Ein Fußmarsch durch den Tunnel ist auf keinen Fall ratsam!

Von der Bushaltestelle direkt am Beginn des Ötztals gehen wir den nächsten langen Abstieg an. Jennys Knie schmerzt immer mehr. Wir beschließen in Vent Ausschau nach einem Sportladen zu halten, um ihr eine Kniebandage zu besorgen. Solche sollte man eventuell auch mit sich führen, wenn man ohnehin anfällig für Knieschmerzen ist.
Wir machen unseren ersten Halt an einem kleinen Bergsee und merken, dass dunkle Wolken aufziehen am Himmel. Wir haben ja schon viel gehört, wie schnell sich im Gebirge das Wetter ändern kann. Noch bei schönstem Wetter am Morgen losgewandert, kann man sich schon einige wenige Stunden im schlimmsten Gewitter wiederfinden. Wir haben aber bisher durchweg Glück und kamen immer trocken bei unserer Unterkunft an. Darauf verlassen wir uns auch heute wieder.

Wir machen uns weiter auf den Weg über einige Geröllfelder und schmale Wege. Teilweise sieht es aus wie in Nepal, auch wenn wir dort noch nicht waren. So stelle ich es mir dort vor!
Bei der zweiten Rast vor dem letzten steilen Stück nach Vent können wir bereits die Ortschaft sehen.
Es sieht nun wirklich nicht mehr weit aus! Wir wissen aber schon, dass wir in dieser Hinsicht schon manches mal getäuscht wurden.

Der restliche Weg zieht sich eine Weile hin, ehe er abrupt in eine Schotterstraße endet. Angekommen in Vent machen wir uns erst mal mit der dortigen Kulinarik vertraut. Dass wir im erstbesten Restaurant, in dem wir nun Germknödel und Apfelstrudel essen, auch später unser Abendessen auf Anraten von Barbara, unserer Gastgeberin, einnehmen werden, wissen wir da noch nicht.

Wir checken also schließlich im Gästehaus Edelweiß in Vent bei Barbara ein. Sie ist eine ehrliche Haut, sagt was sie denkt und das finden wir gut! Sie empfiehlt uns also das eben erwähnte Restaurant, eine Pizzeria direkt am Hotel & Appartement Bergwelt, da wohl einige andere nur Geld mit den Touristen machen wollen und „Dosenfraß“ anbieten. Wir nehmen den Rat dankend an und lassen unseren Abend dort ausklingen. Morgen wird es dann über die Similaunhütte endlich über die Grenze nach Italien gehen! land Nummer 3 auf unserer Tour!

2 Gedanken zu “Auf dem E5 über die Alpen. Teil 4

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