Auf dem E5 über die Alpen. Teil 2

Ein ehrlicher Bericht von Höhen und Tiefen geht weiter.

Etappe 3 – Madau – Württemberger Haus (11,9 km – 912 mH – ca. 7 Std.)

Württemberger Haus (2220 mH) | Foto: Ingmar Stehno

Die ersten zwei Etappen sind geschafft! Erneut ist es ein Kampf, mir die Kontaktlinsen einzusetzen. Vielleicht lasse ich die Scheißdinger morgen tatsächlich draußen und gehe mit Brille und lasse meine Sonnenbrille im Rucksack. Es wird zwar immer empfohlen, eine Sonnenbrille für das Gebirge zu tragen, aber ich beschließe, mich nicht jeden Morgen zu quälen. Eigentlich schade, denn die Brille (Julbo Zebra Brille) kann nichts dafür. Sie wechselt sogar aktiv den UV-Schutz je nach Lichtverhältnissen und ich würde sie super gerne den ganzen Tag tragen, aber die Kontaktlinsen wollen sich einfach nicht auf meine Augen legen. Sie weigern sich!

Wir haben das Hüttenfrühstück vom Buffet intus und wandern los. Hoffentlich haben wir uns heute nicht zu viel vorgenommen. Insgesamt werden wir über 7 Stunden unterwegs sein und einen Gebirgskamm überwinden müssen. So etwas haben wir beide noch nie gemacht. Dennoch macht es genau das so spannend! Laut Reiseführer ist es wohl auch nur eine leichte Kletterei.

Der Weg führt uns zunächst vom Berggasthof in Madau ein Stück nach unten. An einer Abzweigung teilt sich der Weg. Rechts führt dieser über die orginale Route zur Memminger Hütte. Wir aber nehmen die linke Abzweigung, da die Memminger Hütte bereits ausgebucht war, so dass wir auf das Württemberger Haus ausweichen müssen. Nach kurzer Plauderei mit einem netten, älteren Paar aus Österreich geht der Weg nach kurzem Teilstück durch einen Wald stetig bergauf auf offenem Feld, bzw. Tal.
Nach den ersten Metern überholt uns ein junger Wanderer, der allein unterwegs zu sein scheint.

Um uns herum türmen sich die gewaltigen Berge auf, und wir rätseln hin und her. Welcher dieser Kämme wird uns herausfordern? Dieser dort? Der wäre ja machbar. Sieht nicht ganz so schlimm aus. Oder doch der da? Der wäre schon krass! Der Weg führt nun über schmale Pfade mit schotterigem Untergrund und zetweise über Geröllfelder. Meine Trekkingstöcke (Trekoo Wanderstock) habe ich mittlerweile in meinen Freundeskreis aufgenommen.
Dann nach etwa 5 Stunden die nüchterne Wahrheit. Es ist der anspruchsvollere Kamm, der von nächster Nähe noch steiler aussieht als noch aus der Ferne!

Jenny, ihres Zeichens Steinbock, fliegt den Kamm nur so hinauf. Der Wanderer, der uns noch vorhin fleißig überholte, sich aber nun hinter uns „staute“ und uns anschloss, bleibt mit mir direkt dahinter. Soll uns doch der Steinbock erst mal den Weg zeigen. Es ist nicht ganz so einfach und „leicht“, wie wir es überall gelesen haben. Die ganze Klettereinlage ist auf jeden Fall mit Stahlseilen und teilweise mit Stahltritten gesichert. Es empfielt sich aber trotzdem Abstand zum Vordermann zu halten, da oft Steine herunterfallen. Machbar ist es aber trotzdem! Man sollte nur vorsichtig sein. Abrutschen geht immer, gerade wenn es vorher geregnet hat. Schließlich schaffen wir es aber alle nach oben.

Es ist ein unglaubliches Gefühl, ganz oben zu stehen. Nicht nur knapp unterhalb des Gipfels, um sich dann noch zu denken: „Krass, dass Leute da oben auch noch draufgehen.“ Nein, wir sind ganz oben. Wir drehen uns nach rechts und sehen die weite Ferne. Wir drehen uns nach links und sehen die weite Ferne. Vor uns? Weite Ferne! Hinter uns? Weite Ferne! Wir genießen den Anblick und das Gefühl von Stolz. Alle scheinen kaputt und entkräftet, aber dennoch Stolz!

Da wir aber noch die Hütte erreichen müssen, machen wir uns nach ein paar Fotos wieder auf den Weg. Das Umfeld hier oben wirkt wie eine Mondlandschaft. Überall liegt Geröll und Schutt, als wäre hier eine Bombe eingeschlagen.
Wir verlieren wieder den Anschluss und lassen uns überholen. Alleine zu wandern hat eben auch seine Vorteile, und man kann vor allem sein eigenes Tempo gehen und hält niemanden auf. Wir werden uns sowieso an der Hütte gleich wiedersehen.

An der Hütte angekommen meint es der Gott der Berge scheinbar gut mit uns. Wir kriegen noch ein Doppelzimmer! Klein und á la Ferienlager, aber immer noch besser als Mehrbettzimmer, welches wir vorher nur noch reservieren konnten.
Wir treffen unseren Wegbegleiter wieder und machen uns bekannt. Er kommt natürlich aus unserer Ecke aus der Nähe von Siegen. Die Welt ist halt klein!
Wir kippen Unmengen von Holunderschorle in uns hinein und warten sehnsüchtig auf unser Abendessen. Spaghetti Bolognese! Der nächste Gaumenschmaus nach einer anstrengenden Etappe!

Abends zeigt sich dann das Gebirge von seiner überraschenden Seite. So viel Glück wie wir, die im Trockenen angekommen sind, haben andere leider nicht. Es fängt dermaßen an zu donnern und zu schütten! Wir sehen aus dem Fenster einige Spätankömmlinge den steilen Weg herunterrennen! Wir fragen uns auch, wie sie wohl die Kletterpassage bei diesem Wetter überwältigt haben. Und dann noch eine weitere Überraschung! Ein alter Almbetreiber zeigt an den Horizont und da sehen wir dann eine Herde Steinböcke direkt hinter der Hütte in etwa 300 m Entfernung! Leider sind die Lichtverhältnisse mittlerweile witterungsbedingt sehr schlecht. Dennoch möchte ich euch das Foto nicht vorenthalten! Na, wer kann mir sagen wie viele Steinböcke auf dem Bild sind? 😀

Am nächsten Tag wird es dann nach Zams gehen. Etwa 1.500 mH nach unten. DAS wird ein Spaß!

Hier geht es zu Teil 3

3 Gedanken zu “Auf dem E5 über die Alpen. Teil 2

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